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Als Block 11 wird von 1940 bis 1945 (verschleiernd oder abkürzend) im deutschen NS-Konzentrationslager Auschwitz von den Nazis ein zweigeschossiges Backsteingebäude des Stammlagers bezeichnet, das der SS als verschärftes Lagergefängnis, als Folterort oder als Stätte von Morden einzelner Personen oder von Häftlingsgruppen diente.

Im Herbst 1941 wurde im Keller des Gebäudes "probeweise" die erste Vergasung von Menschen mit Zyklon B durchgeführt (Massenmord). Dieses Verfahren kam danach an anderen Stellen in Auschwitz in massenhafter Form zur Anwendung (daher auch der Ausdruck Todesfabrik für dieses Konzentrationslager). Dem Block 11 als Gefängnis im Gefängnis kommt aufgrund dieser Besonderheiten eine besondere Bedeutung im Gedenken an das Terrorsystem des NS-Konzentrationslagers Auschwitz zu (insbesondere im Rahmen der Shoa , der Judenvernichtung).

Die Häftlinge bezeichneten das Lagergefängnis kurz als Bunker oder Todesblock (polnisch: Blok Smierci); offiziell hieß es Kommandanturarrest. Viele der in den Block 11 inhaftierten Häftlinge überlebten aufgrund der inhumanen Haftbedingungen und Misshandlungen die Haft und deren Begleitumstände nicht.


DetailsBearbeiten


Im Kellergeschoss befand sich von Juli 1940 bis in den Januar 1945 hinein das so genannte Lagergefängnis.

Tausende Häftlinge wurden nach Bunkerselektionen oder so genannten Polizei-Standgerichtsverfahren vor der im Hof zwischen Block 10 und 11 befindlichen Schwarzen Wand erschossen (siehe sog. Selektionen.

Die im Block 11 an Häftlingen begangenen Verbrechen waren auch Verfahrensgegenstand im ersten Frankfurter Auschwitzprozess. Der Block 11 und der Hof sind als Teil des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau für die Öffentlichkeit zugänglich. 


Die Fenster des Gebäudes waren vergittert.

Im Kellergeschoss befanden sich lediglich winzige Fenster vor den Zellen an davor hochgemauerten Lichtschächten, so dass mit dem Häftling in der Zelle von außen kein Blickkontakt möglich war.

Auch im Obergeschoss des Blocks wurden die Fenster später bis auf einen kleinen Spalt zugemauert.

Die Schwarze Wand, Ort von Erschießungen (Morde) Bearbeiten

Der Hof zwischen Block 11 und Block 10 mit der Schwarzen Wand war an den Stirnseiten der beiden parallel zueinander stehenden Gebäude mit einer hohen Backsteinmauer eingesäumt und damit zur Lagerstraße hin sichtgeschützt (Lageplan). An einer Hofseite befand sich ein massives und aus zwei Flügeln bestehendes Holztor mit verschließbarer Sichtklappe, das von innen verriegelt war. Neben der Schwarzen Wand, die als Kugelfang bei den Massenmorden durch Erschießen diente, befanden sich auf dem Hof auch zwei „transportable“ Galgen zum Erhängen von Häftlingen sowie mehrere Pfähle zum Vollzug der Strafe des Pfahlbindens.

Bunkerbuch Bearbeiten

Vom 9. Januar 1941 bis zum 1. Februar 1944 wurde durch den jeweiligen Blockschreiber zunächst inoffiziell das sogenannte Bunkerbuch geführt, in welchem die in den Block eingewiesenen Häftlinge verzeichnet wurden. Neben dem vollständigen Namen wurden Häftlingskategorie, Häftlingsnummer, Geburtsdatum sowie der Geburtsort, Haftgrund, Einlieferungs- und Entlassungs- oder Todeszeitpunkt angegeben.

Aufgrund von Abweichungen bei einzelnen Angaben der bestraften Häftlinge und den Aufzeichnungen im zunächst vom Blockführer offiziell geführten Bunkerbuch begann der Funktionshäftling Franciszek Brol, als Blockschreiber, zunächst heimlich ein eigenes Bunkerbuch zu führen, um seine eigene Position nicht zu gefährden und um die Zahlen der Verbrechen dokumentieren zu können. Nachdem während eines Häftlingsappells im März 1941 die Aufzeichnungen des offiziellen Bunkerbuchs nicht mit der festgestellten Blockstärke übereingestimmt hatten, konnte Brol mit seinen eigenen Angaben die korrekte Belegstärke des Blocks nachweisen.

Daher wurde das von Brol angelegte und später durch seine Nachfolger weitergeführte Bunkerbuch von der Lager-SS stillschweigend anerkannt. Das Bunkerbuch bestand aus zwei fortlaufenden Bänden: Der 146 Seiten umfassende Band 1 wurde bis zum 31. März 1943 geführt; in ihm sind 1190 Häftlinge (darunter vier Doppelnennungen und ein Zivilist) verzeichnet.

Der zweite Band mit 68 Seiten enthält Informationen über 952 Häftlinge. Pilecki fertigte von den beiden Bunkerbüchern Abschriften und es gelang, das Original des ersten Bandes sowie eine Kopie des zweiten über Jozef Cyrankiewicz aus dem Lager herauszubringen.[1]

Aus dem Bunkerbuch ergibt sich unter anderem, dass während dieses Zeitraums 814 Häftlinge durch die so genannte "Politische Abteilung" (Gestapo) und 335 durch den Schutzhaftlagerführer in den Lagerarrest eingewiesen wurden.[1]

Das Original des ersten Bunkerbuchs sowie die Kopie des zweiten sind erhalten geblieben.[2] Die Bunkerbücher werden im Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau aufbewahrt.[3]

Beseitigung von Spuren bzw. Bunkeramnestie Bearbeiten

Nachdem Arthur Liebehenschel im November 1943 Rudolf Höß als Lagerkommandant folgte, änderte er in seiner Dienstzeit verschiedenes. Er räumte befehlsgemäß der Arbeitskraft-Erhaltung von Häftlingen höhere Priorität als dem Mordprozess ein.

Im Frühjahr 1944 wurden jene Bunkerinsassen, die auf Weisung der Politischen Abteilung oder Schutzhaftlagerführung in den Bunker eingewiesen worden waren, in das Obergeschoss von Block 11 zur Entlassung in das Lager oder andere Konzentrationslager überstellt. Auf seine Weisung hin wurde auch die Schwarze Wand abgebaut. Die Erschießungen wurden danach im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Krematorium IV fortgeführt.[4]

Er ließ bekannte Häftlingsspitzel der Gestapo Anfang Februar 1944 in das Konzentrationslager Flossenbürg überstellen.

Nachdem Liebehenschel im Mai 1944 in das KZ Majdanek versetzt worden war, verschlechterten sich unter seinem Nachfolger Richard Baer die Bedingungen im Lager wieder. Viele der von Liebehenschel verfügten Neuerungen wurden zurückgenommen.[5]

Ort des ersten Massenmords mit Gas Bearbeiten

Der Schutzhaftlagerführer Karl Fritzsch erprobte im Spätsommer 1941 erstmals die Methode, zum Tode bestimmte sowjetische Kriegsgefangene mittels Zyklon B zu töten, das ansonsten zum Entlausen von Häftlingskleidung benutzt wurde. Während dieser ersten „experimentellen Vergasung“ im Keller des Blocks 11 befand sich der Lagerkommandant Höß nicht in Auschwitz.[6] Das genaue Datum ist nicht bekannt. Frühestens wird der 15. August 1941 angenommen, spätestens wird sogar Anfang Dezember 1941 angesetzt. Die meisten wissenschaftlichen Darstellungen nennen jedoch für die darauf folgende erste Massenvergasung in Anwesenheit von Höß den 5./6. September 1941.[7] Nach Danuta Czech lief die erste Massenvergasung folgendermaßen ab:[8]

Fritzsch wies die aus dem Bunker entlassenen Häftlinge sowie die Häftlinge der Strafkompanie an, das Erd- und Obergeschoss von Block 11 zu räumen und Pritschen etc. auf den Dachboden zu bringen. Die Häftlinge wurden am Abend dieses Tages in den noch im Bau befindlichen Block 5a eingewiesen.

Am folgenden Tag wurden aus dem Häftlingskrankenbau des Stammlagers etwa 250 kranke Häftlinge durch den SS-Standortarzt Siegfried Schwela selektiert und in das Kellergeschoss des Blocks 11 verbracht. Auch etwa 600 sowjetische Kriegsgefangene, überwiegend Offiziere und Politkommissare, wurden in die Arrestzellen des Bunkers getrieben. Sie waren zuvor aufgrund des auf dem Kommissarbefehl basierenden Einsatzbefehls Nr. 8 vom 17. Juli 1941[9] aus Kriegsgefangenenlagern selektiert und zur Exekution bestimmt worden. Die Fensterschächte der Kellerräume des Blocks 11 wurden mit Erde zugeschüttet. Unmittelbar vor dem Verschließen und Abdichten der Türen warfen Angehörige der Lager-SS am Abend, nach einer Lagersperre, Zyklon B in die Räume.

In den Morgenstunden des darauffolgenden Tages schloss der durch eine Gasmaske geschützte Rapportführer Gerhard Palitzsch die Zellentüren auf und stellte fest, dass nicht alle Opfer tot waren. Anschließend wurde erneut Zyklon B in die Zellen eingeworfen und die Türen wurden wieder verschlossen. Nachmittags wurde festgestellt, dass alle Häftlinge und Kriegsgefangenen tot waren. Zur Nacht wurde erneut eine Lagersperre angeordnet. Nachdem sich das Gas weitestgehend verflüchtigt hatte, wurden Häftlinge (insbesondere aus der Strafkompanie und aus dem Häftlingskrankenbau), die unter Androhung der Todesstrafe zur strengsten Geheimhaltung verpflichtet worden waren, zur Sonderarbeit auf den Hof zwischen Block 10 und Block 11 geführt. Dort befanden sich bereits die leitenden Angehörigen der Lager-SS Fritzsch, Palitzsch, Schwela, Maier sowie mehrere Blockführer. Eine mit Gasmasken ausgestattete Häftlingsgruppe musste die Leichen der Vergasten vom Keller- ins Erdgeschoss tragen, eine zweite dort die Leichen bis auf die Unterhose entkleiden, eine dritte die Leichen vom Erdgeschoss auf den Hof tragen und eine vierte die Leichen auf bereitstehende Rollwagen laden. Währenddessen wurde die Kleidung der Toten unter Aufsicht von Angehörigen der Lager-SS nach Wertgegenständen durchsucht und das Zahngold entfernt. Die mit Leichen beladenen Rollwagen wurden zum Krematorium gebracht. Dieser Vorgang konnte bis zum Morgengrauen nicht abgeschlossen werden und am Abend des 5. September musste dieselbe Häftlingsgruppe nach wiederholter Lagersperre den Leichentransport zum Krematorium beenden. Aufgrund der hohen Anzahl von Leichen dauerte die Kremierung mehrere Tage.[10]

Der Lagerkommandant Rudolf Höß schrieb in seinen Aufzeichnungen zu dem ersten Massenmord mit Zyklon B im Block 11:

„Die Vergasung wurde in den Arrestzellen des Blocks 11 durchgeführt. Ich selbst habe mir die Tötung, durch eine Gasmaske geschützt, angesehen. Der Tod erfolgte in den vollgepfropften Zellen sofort nach Einwurf. Nur ein kurzes, schon fast ersticktes Schreien, und schon war es vorüber. So recht zum Bewusstsein ist mir diese erste Vergasung von Menschen nicht gekommen, ich war vielleicht zu sehr von dem ganzen Vorgang überhaupt beeindruckt. Stärker erinnerlich ist mir die bald darauf erfolgte Vergasung von 900 Russen im alten Krematorium, da die Benutzung des Blocks 11 zuviel Umstände erforderlich machte.“[11]


Juristische Aufarbeitung Bearbeiten

  • zu den Ermittlungen des SS-Richters Konrad Morgen 1943 gegen den Leiter der Politischen Abteilung Grabner (siehe WP)
  • insbesondere auch zur juristische Aufarbeitung nach Ende des Weltkriegs


MedienBearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Franciszek Brol, Gerad Włoch, Jan Pilecki: Das Bunkerbuch des Blocks 11 im Nazi-Konzentrationslager Auschwitz. In: Hefte von Auschwitz, Nr. 1, Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau 1959.
  • Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945. Rowohlt, Hamburg 1989, ISBN 3-498-00884-6.
  • Wacław Długoborski, Franciszek Piper (Hrsg.): Auschwitz 1940–1945. Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Verlag Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Oswiecim 1999, ISBN 83-85047-76-X. 5 Bände:
    • I. Aufbau und Struktur des Lagers.
    • II. Die Häftlinge – Existenzbedingungen, Arbeit und Tod.
    • III. Vernichtung.
    • IV. Widerstand.
    • V. Epilog.
  • Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Frankfurt am Main, Ullstein-Verlag, Berlin/Wien 1980, ISBN 3-54833014-2.
  • Robert Jan van Pelt: Auschwitz. In: Günther Morsch, Bertrand Perz: Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Berlin 2011, ISBN 978-3-940938-99-2.
  • Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Sterbebücher von Auschwitz. Band 1: Berichte, Saur, München 1995, ISBN 3-598-11263-7.
  • Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Auschwitz in den Augen der SS. Oswiecim 1998, ISBN 83-85047-35-2.
  • Verein zum Erhalt der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau e.V. (Hrsg.): Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Online: Titel, Inhaltsverzeichnis, Grußwort, Vorwort, Teil 1, Teil 2, Anhang.

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. 1,0 1,1 Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Sterbebücher von Auschwitz. Band 1: Berichte. K.G. Saur Verlag, München 1995, ISBN 3-598-11263-7, S. 232f.
  2. Thomas Grotum: Das digitale Archiv – Aufbau und Auswertung einer Datenbank zur Geschichte des Konzentrationslagers Auschwitz, 2004, S. 234
  3. Referenzfehler: Ungültiger <ref>-Tag; es wurde kein Text für das Ref mit dem Namen Strzelecka464 angegeben.
  4. Sybille Steinbacher: Auschwitz: Geschichte und Nachgeschichte. Beck, München 2004, ISBN 3-406-50833-2, S. 89.
  5. Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Frankfurt am Main 1980, S. 67
  6. Martin Broszat (Hrsg.): Rudolf Höß – Kommandant in Auschwitz. 20. Auflage. dtv, München 2006, ISBN 978-3-423-30127-5, S. 240 sowie Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945, Reinbek 1989, ISBN 3-498-00884-6, S. 117.
  7. Zur Datierung siehe Robert Jan van Pelt: Auschwitz. In: Günther Morsch, Bertrand Perz: Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Berlin 2011, ISBN 978-3-940-93899-2, S. 201
  8. Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945, Reinbek 1989, ISBN 3-498-00884-6, S. 117ff / Czech datiert die Massenvergasung auf den 3. September 1941.
  9. Als Dokument Nr. 24 mit Anlagen abgedruckt bei Hans-Adolf Jacobsen: „Kommissarbefehl…“. In: Martin Broszat u.a. (Hrsg.): Anatomie des SS–Staates, dtv, München 1967, Bd. II, S. 200–204.
  10. Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945, Reinbek 1989, S. 117ff
  11. Martin Broszat (Hrsg.): Rudolf Höß: Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen., dtv, München, 1963/1989, ISBN 3-423-02908-0, S. 126




Noch klären

Warum bei WP die Orts-Kategorie Oświęcim ?

Siehe auch Bearbeiten

  • Weitere Begriffsklärung: Der Name Block 11 wird auch verwendet von/für:
    • den Isolierungsblock im KZ Sachsenhausen
    • eine italienische Neonazi-Rockband
    • Teil eines Filmtitels: Terror in Block 11 (Riot in Cell Block 11), US-amerikanischer Gefängnisfilm von Don Siegel, 1954

Evtl. Disk.SeiteBearbeiten

Weitere Wiki-Artikel zum Konzentrationslager AuschwitzBearbeiten



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