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Deportation der badischen Juden im Jahr 1940

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Die Wagner-Aktion bzw. Wagner-Bürckel-Aktion in Baden ist der spätere Namen für die Deportation der Juden aus Baden im Jahr 1940 durch die Nazi-Verbrecher:
Über 5600 jüdische Deutsche aus Baden, zusammen mit 900 ebenso zu Juden deklarierten Deutschen aus der Pfalz und dem Saarland wurden am 22. Oktober 1940 auf Betreiben des badischen NSDAP-Gauleiters Robert Wagner und des pfälzischen NSDAP-Gauleiters Joseph Bürckel (Westmark) nach Gurs deportiert.

Eine größere Zahl Polizisten und Bahnler haben dabei mitgeholfen. Viele Einwohner haben zunächst weggesehen. An der Rettung der Verfolgten hat sich kaum jemand beteiligt.


Einige der ehemaligen NachbarInnen haben sich an dem Eigentum der Deportierten bereichert.


Nach den damaligen NS-Gauleitern wird diese Deportation auch Wagner-Bürckel-Aktion genannt. Diese beiden brüsteten sich dann in der Nazizeit damit, dass der "Gau Baden" als erster in Deutschland "judenfrei" sei.

(vgl. später M H, HU)

Die Opfer werden wenige Monate später in Frankreich auf Befehl der deutschen Besatzer Frankreichs wieder in Züge gesteckt und zurück in deutsches Gewahrsam gebracht: bei einem Zugtransport quer durch Deutschland bis ins KZ Auschwitz, wo die meisten wie Vieh oder Ungeziefer vergast und verbrannt werden.

Am Ende dieses Wegs der zynisch "Endlösung" genannten Verbrechen, eines aus Sicht der Nazis "Problems", stehen die Massenmorde dort, in Polen und in der Sowjetunion und Ungarn.

Gurs

Das Konzentrationslager Gurs war zunächst ein Internierungslager in Gurs, einem 1940 im noch unbesetzten Teil Frankreichs gelegenen Ort nahe den Pyrenäen, heute im Departement Pyrénées-Atlantique. Am Ende des Spanischen Bürgerkriegs wurde es unter der Regierung von Édouard Daladier vom 15. März bis 25. April 1939 eingerichtet, um von dort nach Frankreich fliehende Kriegsteilnehmer zu internieren. 

Zum Beginn des 2. Weltkriegs wurden dort Ausländer inhaftiert, die im Verdacht standen, die Achsenmächte zu unterstützen.

Nach der frz. Niederlage, datiert durch den Waffenstillstand vom 22. Juni 1940, wurden hier jüdische Ausländer verschiedener Nationalitäten festgehalten, die neben Franzosen vom NS-Regime aus den von ihm besetzten Gebieten deportiert wurden. Im Kriegsverlauf wurden durch die französischen Behörden andere Häftlingsgruppen hierher deportiert. U. a. auch wieder Spanien-Kämpfer aus anderen inzwischen geschlossenen Lagern.

Nach der Befreiung von den deutschen Besatzern 1944 wurden noch Kriegsgefangene und Kollaborateuere hier gefangen gehalten. Etwa 64.000 Personen waren insgesamt hier interniert , davon starben im Lager 1.072 bis zur Schließung des Lagers im August 1944.

Einigen wenigen Badenern gelang ab 1941 vermittelt über internationale Hilfsorganisationen und persönliche Kontakte von dort die Emigration in für sie sichere Länder, z. B. in Lateinamerika oder den USA.

Allerdings starben Tausende nach der Auslieferung an die NS-Behörden und den Weitertransport durch diese. Denn vom KZ Gurs aus wurden die meisten der dann noch Lebenden 1942 auf Betreiben der Petain-Regierung (bei Paris, auch Vichy-Regime) an die deutsche Besatzungsmacht übergeben und in Zügen in die Vernichtungslager, vor allem in das KZ Auschwitz-Birkenau und das KZ Sobibor, weiter deportiert und von den deutschen Nazis dort ermordet.

Daran erinnert u. a. ein Gedenkstein auf dem Bergfriedhof in Heidelberg und eine französische nationale Gedenkstätte in Gurs und in Paris.



Das Mahnmal zum Gedenken an die Deportation der Heidelberger und Kraichgauer Juden in das Konzentrationslager GURS in den Pyrenäen im Jahr 1942 wurde am 30. Juli 2014 in der Schwanenteichanlage neben der Stadtbücherei eingeweiht. Es erinnert an das ehemalige Bahnhofsgleis, von dem aus die Gestapo die Deportation begonnen hat.


Begleitend zum Mahnmal hat die Stadtbücherei Heidelberg eine dauerhafte Informationsausstellung zur Geschichte der Juden in Heidelberg bis zu ihrer Deportation sowie über das Lager GURS eingerichtet. Ohne Anspruch auf wissenschaftliche Vollständigkeit aber mit zahlreichen Detailinformationen, Dokumenten und Artikeln sowie mit Bildern aus dem Heidelberger Stadtarchiv ausgestattet, steht die Ausstellung für die Nutzung in der Stadtbücherei zur Verfügung. Viele der nicht entleihbaren Bücher stehen als Doppelstücke im Ausleihbestand zum Mitnehmen bereit. Aktuelle Artikel zum Mahnmal befinden sich im Bereich "Heidelberg erinnert sich".

"Judenhäuser" in Heidelberg

Vor den Konzentrationslagern kamen die so genannten Judenhäuser. Das waren innerörtliche Zwangsunterbringungsorte. Am Beispiel der Stadt Heidelberg lässt sich zeigen, welches Ausmaß diese Vorbereitungsmaßnahmen in der Judenverfolgung der Nazis annahm.


Bergheimerstraße 25 (nach 1940: Polizeidirektion)

Bluntschlistraße 4 (Eigentümer: Isaak Engelberg)

Bunsenstraße 19a (nach 1940: Gestapo)

Bunsenstraße 3 (Eigentümer: Fritz Maier, Berlin)

Endemannstraße 11 (Eigentümer: Max Ledermann)

Gaisbergstraße 5 (nach 1940: Polizeiverwaltung)

Happelstraße 15

Hauptstraße 136 (Eigentümer: Erbengemeinschaft Carlebach, nach 1940: GGH)

Häusserstraße 4 (Eigentümer: Ludwig Lion)

Landfriedstraße 14 (Eigentümer: Dr. Ernst Mendel, Essen)

Marktplatz 7 (Eigentümer: Leopold Oppenheimer, nach 1940: GGH)

Moltkestraße 13 (Eigentümer: Fritz Maier, Berlin)

Im Frühjahr 1939 begannen die NS-Behörden mit der Räumung von Wohnungen, in denen jüdische Mitbürgerinnen und -er lebten. Als Juden sollten sie ausschließlich in "jüdischen" Häusern wohnen - falls sie sich weigerten, dann zwangsweise. Dahinter steckte auch die "Wohnraumarisierung" der ursprünglichen Wohnungen, also der Raub des Eigentums.

Die "Entjudung" von Wohnungen trug ganz wesentlich zur weiteren Ausgrenzung, sozialen Isolation und Entrechtung dieser Familien bei. Sie verloren ihre Wohnungen und waren - in den "Judenhäusern" oft menschenunwürdig zusammengepfercht und dort leicht für die spätere "Entmietung" und "Deportation in den Osten", d.h. den Massenmord, zu überwachen.

Lucia_Kuhn, Weberstraße 7, HD

Erinnerung in Neckarzimmern

Das Mahnmal für die deportierte Juden aus Baden:

Am 23. Oktober 2005 wurde die kirchliche Gedenkstätte an die Deportation relativ versteckt in Neckarzimmern (Neckar-Odenwald-Kreis) eingeweiht, Grundsteinlegung war am 24. Oktober 2005 in der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend in Baden.

Weitere Medien

Siehe auch

Literatur

  • Diana Deutsch: Der letzte Überlebende von Gurs: Ein Visum rettete ihm das Leben. In der Rhein-Neckar-Zeitung vom 23. Oktober 2009, S. 5
  • Max Ludwig: Aus dem Tagebuch des Hans O. Dokumente und Berichte über die Deportation und den Untergang der Heidelberger Juden. Mit einem Vorwort von Hermann Maas. Heidelberg, 1965 [Dek]
  • Claudia Rink , Norbert Giovannini , Frank Moraw: Erinnern, Bewahren, Gedenken. Die jüdischen Einwohner Heidelbergs und ihre Angehörigen 1933-1945. Biographisches Lexikon mit Texten. 542 Seiten, 2011. ISBN 978-3-88423-353-5
  • Arno Weckbecker (Bearb.): Gedenkbuch an die ehemaligen Heidelberger Bürger jüdischer Herkunft. Dokumentation ihrer Namen und Schicksale 1933-1945. Bearbeitet von Arno Weckbecker im Zusammenwirken mit dem Stadtarchiv Heidelberg. Heidelberg, 1983. 
  • Arno Weckbecker: Die Judenverfolgung in Heidelberg 1933-1945. (Motive – Texte – Materialien, Bd. 29) Heidelberg 1985 (Zugl.: Heidelberg, Univ., Diss.)

Weblinks

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