FANDOM






Aus Deutschland verjagt, aus Israel …Bearbeiten

Es fällt schwer diese Geschichte zu erzählen:




Eine Jüdin, die mit Israel hart ins Gericht geht


Die 80-jährige Lillian Rosengarten denkt nicht daran, sich zur Ruhe zur setzen. Unter dem Namen Gisela Lebrecht kam sie 1935 in Frankfurt am Main zur Welt. Ihr Vater Fritz – der seinen Doktor der Chemie einst in Heidelberg gemacht hatte – wurde auf offener Straße von SA-Leuten verprügelt. Seine Frau Lilly musste die Tat mit ansehen, blieb von den Übergriffen aber verschont. 1937 floh die Familie nach New York.

Der Großvater Rudolf Jacob, bedrängt durch die zunehmenden Anfeindungen, erhängte sich im Januar 1936 in seinem Laden in Frankfurt.

Dem Holocaust durch Auswanderung entgangen, erfuhr Gisela auch in den USA vereinzelte antisemitische Schmähungen durch andere Kinder. Sie entfremdete sich vom Judentum, legte ihre deutsch-jüdische Identität ab und wechselte sogar ihren Namen. Fortan wollte sie nur noch „Lillian“ genannt werden. 

Ende der 1950er Jahre lernte sie ihren zukünftigen Ehemann Frank kennen.

Beide lebten eine Zeit lang in Italien, wo sie sich in antifaschistischen Kreisen bewegten, bevor sie über Cleveland nach New York zurückkehrten.

Sie ließ sich zur Psychoanalytikerin ausbilden und war in der Friedensbewegung gegen den Vietnam-Krieg aktiv.

In den 1970er Jahren besuchte sie erstmals Israel, wo ihr anfängliches Wohlwollen ins Gegenteil umschlug, als sie von der Regierungspolitik gegenüber den Palästinensern erfuhr. 

2010 erfuhr sie von der Organisation „Juden für Gerechtigkeit für Palästinenser“, die mit einem Segelboot die israelische Seeblockade durchbrechen und Hilfsgüter wie Schulbücher, Fischernetze und Prothesen nach Gaza bringen wollten.

Lillian Rosengarten blieb unverletzt, musste jedoch zwei Nächte im israelischen Militärgefängnis verbringen. Israel schob die unliebsame Aktivistin ab und erteilte ihr im Alter von 75 Jahren ein zehnjähriges Einreiseverbot.

Für Lillian Rosengarten kein Grund, um aufzugeben. 2011 wählte sie stattdessen den Landweg über Ägypten und konnte sich endlich selbst ein Bild von Gaza machen.

Ihre Angst: „In fünf Jahren ist Gaza nicht mehr bewohnbar“ Sie verweist auf einen aktuellen Bericht der Vereinten Nationen.

Um dieses Szenario noch irgendwie abzuwenden, geht sie auf Lesereise und erzählt von ihren Erlebnissen.

Die israelische Botschaft in Berlin protestierte gegen ihre Lesetour, und auch in Israel nahm man Notiz. Wenige Tage vor ihrem Auftritt in Heidelberg warf ihr die Jerusalem-Post vor, „antisemitische Inhalte“ zu verbreiten. Die Leser fanden sogar noch drastischere Worte und bedachten Rosengarten in fast 500 Kommentaren mit Verwünschungen aller Art.

Die Schärfe der Kritik macht sie betroffen. Angst verspüre sie jedoch deshalb nicht, und von ihrer Kritik abweichen möchte sie sowieso nicht. Stattdessen hält sie entgegen: Antizionismus sei nicht zwangsläufig Antisemitismus. Nicht jede Kritik an Israel sei durch Hass auf alles Jüdische motiviert. „Mich als Jüdin eine Antisemitin zu nennen – ich kann das nicht glauben“, klagt sie. Dennoch will sie die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft in einem gemeinsamen Staat nicht aufgeben. „Nur wenn die Palästinenser frei sind, kann auch Israel frei sein.“

*Von Stefan Meyer, in: RNZ , Heidelberger Nachrichten vom 2. Oktober 2015, Seite 5

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki