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Die Sammlung Prinzhorn ist ein medizingeschichtliches und kunsthistorisch interessantes Museum in Heidelberg-Bergheim. Es befindet sich im ehemaligen und umgebauten Hörsaal in der Psychiatrischen und Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg (noch früher der der Chirurgie ) und hat einen Fundus mit über 5000 Arbeiten von etwa 450 PatientInnen verschiedener psychiatrischer Anstalten aus der Zeit von 1880 bis 1933.

Aktuelle AusstellungBearbeiten

In einer Kabinettausstellung werden 20 Zeichnungen von Erich Spiessbach (1901–1956) gezeigt. 

Der Zeichner Spiessbach war Präparator und Grabungshelfer im Museum auf Schloss Friedenstein in Gotha,  seiner Geburtsstadt; dann in Münster. 


Spiessbachs Überlegenheitsgefühl gegenüber seinen Mitmenschen hatte zu jahrelangen Gerichtsverfahren geführt. Er wurde 1943 als „querulierender Paranoiker“ in die psychiatrische Anstalt Münster eingeliefert wurde. Sein weiterer Lebensweg war durch Tuberkulose und Gefängnisaufenthalte bestimmt. 1956 stürzte er bei einem Fluchtversuch ab und starb am selben Tag.

Der junge Arzt und Psychiater Manfred in der Beeck (1901–1956), hatte sein künstlerisches Talent wie auch seinen Humor entdeckt. Er verlegte ihn in Marsberg in eine Einzelzelle und besorgte ihm Zeichenmaterial und animierte ihn  zum Malen. 

Spiessbach schuf schrille, auch gespenstisch anmutende, Darstellungen wie zum Beispiel eine „Holzkopfprothese“ oder „Die falsche Schlange“ mit einer offenbar klatschsüchtigen Frau.

Von 2012 bis 2014 waren seine Bilder in der Ausstellung „Der dreifach diplomierte Idiot – das Phänomen Erich Spiessbach“ in Gotha, Münster und Bremen ausgestellt worden. 2015 kamen sie nun als Dauerleihgabe in die Sammlung Prinzhorn.

500 Werke von Spiessbach waren nach dem Tod des Psychiaters Manfred in der Beeck in dessen Nachlass entdeckt worden. Die möchte jetzt die Sammlung Prinzhorn mit der Hilfe von Sponsoren erwerben.

Frühere  AusstellungenBearbeiten

"Uniform und Eigensinn": Am 1.10.2014 wurde die Ausstellung mit Objekten zum Ersten Weltkrieg eröffnet - Die bildhaften Beiträge wurden von Psychiatrie-Insassen gefertigt.

In einer Rezension der A. von Heide Seele heißt es u.a:

"Die Ausstellung konfrontiert mit den Reaktionen der Anstaltsinsassen auf das martialische Geschehen wie auf den Militarismus überhaupt, wobei unmittelbare eigene Erfahrungen fehlten, ausgenommen der Hunger. Der war in den Kriegsjahren auch in den psychiatrischen Einrichtungen immer und überall vorhanden."
" …

Adresse Bearbeiten

Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg
Voßstraße 2

Telefon: 062 21 56 44 92


Fax: 0 62 21 - 56-17 23

E-Mail: prinzhorn(a)uni-hd.de

Webpräsenz „Sammlung Prinzhorn“ (prinzhorn.uni-hd.de)

Bei der Anfahrt beachten: Parkhaus P11 befindet sich direkt anschließend im Altklinikum zwischen ehemaliger Frauenklinik und Psychiatrischer Klinik. Nähe ehemalige Krehlklinik (Bergheimerstr.).

Hans PrinzhornBearbeiten

Der Arzt Hans Prinzhorn (* 6. Juni 1886 in Hemer, Westfalen; † 14. Juni 1933 in München) war Psychiater und Kunsthistoriker. Von ihm stammt der Hauptteil der Sammlung und nach ihm ist sie später Prinzhorn-Sammlung genannt worden.

Es ist dies eine kunsthistorisch aufbereitete Sammlung mit 5.000 Bildwerken, Collagen und Plastiken von über 400 Geisteskranken, bzw. als solchen behandelten Personen. Der engere Sammlungszeitraum war in den Jahren von 1919 bis 1922. Prinzhorn wurde 1919 zu diesem Zweck Assistent von Karl Wilmanns an der Psychiatrischen Universitätsklinik. Begonnen hatte die Sammlung der renommierte Psychiater Emil Kraepelin. Bereits 1922 veröffentlichte Prinzhorn sein erstes und einflussreiches, reich illustriertes Buch Bildnerei der Geisteskranken, das seinerseits Künstler zur Auseinandersetzung mit dem Begirff der Normalität bewegte.

Er führte ab 1925 eine psychotherapeutische Praxis in Frankfurt am Main. Er starb 1933 in München an Typhus.

GeschichteBearbeiten

Einer der ersten Sammler war Emil Kraepelin, von 1890 bis 1903 erster Direktor der Klinik. Er suchte nach sichtbaren Beweisen für den Wahnsinn, und dies nicht nur im Verhalten seiner Patienten, sondern auch beim Sezieren ihrer Gehirne. Er ließ bereits die Patienten fotografieren und trug auch ihre Zeichnungen und andere ins Künstlerische tendierende Werke zusammen. Einer von Kraepelins Heidelberger Assistenten, Karl Wilmans (1873-1945), der 1919 Klinikdirektor wurde, setzte die "Lehrmittelsammlung" fort.

1919 kam der Arzt und Kunsthistoriker H. Prinzhorn als Assistent an die Klinik. Sein Interesse an Werken von Psychiatriepatienten führt bis 1922 zu einer stark vergrößerten Sammlung. Auf ihr aufbauend schreibt er das Buch »Bildnerei der Geisteskranken. Ein Beitrag zur Psychologie und Psychopathologie der Gestaltung« (1922, bzw. Herausgeberschaft). Es folgten Ausstellungen in Frankfurt a. M. und Leipzig z. B. anlässlich des Naturforscherkongresses. Es folgten in den nächsten zehn Jahren Paris, Genf, Basel und neun deutsche Städte (überwiegend Kunstvereine); die Betreuung übernimmt in dieser Zeit Hans W. Gruhle.

Der Klinikdirektor Carl Schneider übergibt Mitte der 30er Jahre der NS-Propagandaschau "Entartete Kunst" einzelne Zeichnungen aus der Sammlung. Dort werden sie als pathologisches Beweismaterial gegen die damalige "Kunst der Moderne" instrumentalisiert. Die Sammlung bleibt sonst aber bestehen.

1963 entdeckt Harald Szeemann die Werke und zeigt erstmals wieder eine Auswahl in der Kunsthalle Bern.

Als Prinzhorn Heidelberg verließ, wies die Sammlung schon 5.000 Objekte auf. 1000 weitere kamen im Laufe der Zeit hinzu. Nachdem Inge Jádi, seit 1971 langjährige Kustodin der Kollektion, relevante Krankenakten aufgefunden hatte, konnten zusätzliche Werke erworben werden.

Ab 1979 finanziert die Volkswagen-Stiftung die Konservierung und wissenschaftliche Erfassung des gefährdeten Sammlungsmaterials. Seit 1980, als eine große Ausstellung in Heidelberg Einblick in diesen Bestand gab, ist der ergiebige Fundus - wie auch seine Unterbringung und stetige Erweiterung - im öffntlichen Raum Gesprächsthema und wuchs seither um weitere 13.000 Werke an.

Allein 8000 Arbeiten zählt die Sammlung Petschner aus der hessischen Anstalt Merxhausen (1985, noch unerschlossen)

1991 bis 1993 folgt verschiedenen teilweisen Ausstellungein ein Projekt zur Beschaffung und Archivierung der zugehörigen Krankenakten.

2001 wurde das Museum Sammlung Prinzhorn in dem umgebauten Hörsaalgebäude der früheren Chirurgie in Bergheim, zuletzt der der Neurologischen Klinik, eröffnet.

2011: Jubiläumsausstellung zum 10jährigen Bestehen des Museums unter dem Titel "Von Kirchner bis heute"

Neu sind zwei große Bestände aus Patientenarbeiten, die seit 1950 entstanden sind. Der eine kam vom 2001 gestorbene Hemmo Müller-Suhr, Professor für Psychopathologie in Göttingen, dessen Schenkung 2012 die Heidelberger Bestände bereicherte. Und der zweite von Manfred in der Beeck, einstiger Leiter der Psychiatrie in Schleswig, der 2013/14 angekauft wurde.


(Auch Beiträge zu verschiedenen Wanderausstellungen sind auf der Website der Sammmlung dokumentiert.)

Facebook u.ähnl. Netze Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Bettina Brand-Claussen: Das "Museum für pathologische Kunst" in Heidelberg. Von den Anfängen bis 1945, in: Wahnsinnige Schönheit, Prinzhorn-Sammlung, Ausstellungskatalog Osnabrück, Kulturhistorisches Museum u.a. Heidelberg, Wunderhorn, 1997, S. 6-23.
  • Bettina Brand-Claussen, Thomas Röske (Hrsg.): Künstler in der Irre, Ausstellungskatalog Sammlung Prinzhorn Heidelberg. Heidelberg, Wunderhorn, 2008. ISBN 978-3-88423-306-1
  • Thomas Röske: Der Arzt als Künstler. Ästhetik und Psychotherapie bei Hans Prinzhorn (1886-1933). Bielefeld, Aisthesis, 1995. ISBN 3-927670-90-1

Zeitungsberichte:

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