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Als Todeslager (Todesfabriken, Vernichtungsstätten) wurden 1941/42 mindestens folgende neun Orte des Massenmordes an europäischen Juden und weiteren Opfern von der SS über einen längeren Zeitraum benutzt:

Auf damaligem Reichsgebiet (1939 annektiert; gehört zu Polen) Bearbeiten

(Diese 1939 besetzten und annektierten Reichsgebiete gehörten damals und heute Polen)

1. Konzentrationslager Kulmhof (bei Chelmno, unter der Besatzung: im damaligen Landkreis Warthbrücken (Koło) im Reichsgau Wartheland – ab 8. Dezember 1941),
3. Auschwitz-Birkenau (bei Kraków, im durch die Besatzer errichteten Landkreis Bielitz (Bielsko) im damaligen Ost-Oberschlesien – wahrscheinlich ab 30. April 1942, spätestens ab Anfang Mai) bis 27. Jan. 1945. Auschwitz war als gesamter Lagerkomplex in Teilen gleichzeitig ein Konzentrationslager mit Funktionen der Zwangsarbeit [ mißverständl. Bezchg dafür ist bei manchen Autoren Arbeitslager ].

Auf dem Gebiet des Generalgouvernements (Polen) Bearbeiten

(Das Generalgouvernement waren überwiegend 1939 bzw. 1941 besetzte Teile von Polen)

2. Belzec (in der damaligen Kreishauptmannschaft Zamość im Distrikt Lublin, Generalgouvernement – ab 17. März 1942)
4. Sobibor (in der damaligen Kreishauptmannschaft Cholm im Distrikt Lublin, Generalgouvernement – spätestens ab 6. Mai 1942)
5. Treblinka (in der damaligen Kreishauptmannschaft Sokolow im Distrikt Warschau, Generalgouvernement – ab 22. Juli 1942)
6. KZ und Vernichtungsstätte Majdanek (in der damaligen Kreishauptmannschaft Lublin im Distrikt Lublin, Generalgouvernement – ab 14. September 1942)

Im Bezirk des Reichskommissariats Ostland (heute Weißrussland) Bearbeiten

Die folgenden Lager, die sich im weißrussischen Gebiet des von Deutschland auf dem damaligen sowjetischem Boden errichteten Reichskommissariats Ostland befanden, werden in der internationalen Holocaustforschung meist (noch) nicht mit zu den Vernichtungslagern gezählt. Einzelheiten wurden erst spät bekannt; die Opfer wurden meist erschossen und andere Opferzahlendimension.


8. Bronnaja Gora (Breszkaja Woblasz), Weißrussland, 1942 (Deportationszüge ab Juni 1942 nachgewiesen) bis März 1944 — mehr als 50.000 Ermordete

9. Maly Trostinez (bei Minsk), Weißrussland, ab Mai 1942 bis Juli 1944 — ca. 40.000–60.000 Ermordete


Tötungstechniken Bearbeiten

In den Vernichtungslagern wurden drei unterschiedlich technisierte Formen des Massenmordes betrieben, anschließend wurden die Leichen zur Spurenbeseitigung (später) verbrannt:

  • In Belzec, Sobibor und Treblinka, den Lagern der Aktion Reinhardt im Generalgouvernement, wurden die Menschen durch das Einführen von Benzinmotorabgasen in Gaskammern getötet.[1]
  • In Auschwitz-Birkenau, das zugleich auch Konzentrationslager war, wurden die Vergasungen mit Hilfe von Blausäuregas (Zyklon B) vorgenommen. Es wurden auch Massen- und Einzelerschießungen durchgeführt.
  • dort kam auch in großem Umfang die Vernichtung durch Arbeit zum Einsatz (Verhungern lassen bei gleichzeitiger maximaler körperlicher Belastung)
  • In Majdanek, das zugleich auch Konzentrationslager war, wurden überwiegend Erschießungen durchgeführt; zudem wurden Vergasungen mit Hilfe von Kohlenstoffmonoxid aus Gasflaschen sowie später auch mit Blausäuregas (Zyklon B) vorgenommen.[2]
  • In Chelmno wurden drei dort stationierte Gaswagen mit Benzinmotoren eingesetzt; eine Gaskammer gab es dort nicht.[3]
  • In Maly Trostinez wurden die Opfer größtenteils erschossen; außerdem wurden dort Gaswagen eingesetzt.
  • In Bronnaja Gora wurden die Opfer erschossen.
Nicht mehr Gehfähige, also überwiegend sehr Alte, Kranke und Sterbende, wurden in den Reinhardt-Lagern zumeist erschossen.


Organisation und Instanzen Bearbeiten

Instanzen

Mit der Durchführung der Endlösung der Judenfrage in den Vernichtungslagern waren ab Herbst 1941 drei verschiedene zentrale nationalsozialistische Instanzen, das Reichssicherheitshauptamt, die Kanzlei des Führers, das SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt, beauftragt:

  • Inner- bzw. unterhalb des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes waren die Stammlager mit einem Kommandanten und seinen , darunter meist mehrere Nebenlager mit Lagerführern .....
  • Daneben die Organisation der Gestapo bis in die einzelnen KZ


Eisenbahntransporte

Ein wichtiges Merkmal war die Anbindung der Lager an das Schienennetz der Reichsbahn bzw. der Nachbarländer, damit sollte die Zuführung vorher zusammengestellter „Transporte“ und somit eine planmäßige und wirtschaftlich rationalisierte Massentötung – mithin die von den Nationalsozialisten als „Endlösung“ bezeichnete Ausrottung der europäischen Juden – ermöglicht werden.

Es ging meist um 1000 Personen als Opfergruppe in einem Zug oder ein Vielfaches dieser Zahl. Dadurch erreichte Eichmann Rabatte der Reichsbahn und Vereinfachungen bei seiner Disponierung der Zug- und Tötungskapazitäten der verschiedenen Todesfabriken (typisch waren dann Ausdrücke wie "Ungarnaktion").

Geheimhaltung

Aus der Existenz von Konzentrationslagern machten die Nationalsozialisten keinen Hehl, dienten sie doch der Abschreckung oder vorgeblichen Umerziehung. Vernichtungslager hingegen unterlagen strengster Geheimhaltung. Zur Tarnung wurde die Massentötung sogar im internen Schriftverkehr nur als „Sonderbehandlung“, „Säuberung“, „Umsiedlung“ oder „Evakuierung“ bezeichnet.

Namen, wann durch wen

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden auch Vernichtungslager von der SS wie andere Lager nur Konzentrationslager genannt. Auch ihre internen Organisationsstrukturen waren identisch (Inspektion der Konzentrationslager). 

Die Benennung von Lagern als Vernichtungslager geschah später in Strafprozessen und in der Geschichtswissenschaft und dient der Beschreibung der Bestimmung. Um den untrennbaren Zusammenhang dieser speziellen Lager mit der Endlösung der Judenfrage hervorzuheben, wird dafür bereits seit mehreren Jahren der Begriff Vernichtungslager verwendet. Er dient auch der Unterscheidung von den zum Teil anders organisierten Konzentrationslagern im dt. Reichsgebiet und deren meist durch Aushungern oder meist individuell durchgeführte Morde herbeigeführten Mordziffern.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Adalbert Rückerl (Hrsg.): Nationalsozialistische Vernichtungslager im Spiegel deutscher Strafprozesse. Belzec, Sobibor, Treblinka, Chelmno. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1977, ISBN 3-423-02904-8.
  • Yitzhak Arad: Belzec, Sobibor, Treblinka. The Operation Reinhard Death Camps. Bloomington and Indianapolis 1987 (Indiana University Press), ISBN 0-253-34293-7.
  • Konnilyn G. Feig: Hitler's Death Camps: The Sanity of Madness. Holmes & Meier Publishers Incorporated, Neuausgabe 181, ISBN 0-8419-0676-9 (englisch)
  • Hans Buchheim, Martin Broszat, Hans-Adolf Jacobsen: Anatomie des SS-Staates. Dtv; (1. Auflage 1965) 8. Auflage 2005, ISBN 3-423-30145-7 (darin: Martin Broszat, Die Konzentrationslager 1933-1945)
  • Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager. Alber, München 1946 (zuletzt: Heyne, München 2004, ISBN 3-453-02978-X)
  • Eugen Kogon: The Theory and Practice of Hell: The German Concentration Camps and the System Behind Them. Octagon Books, 1972, ISBN 0-374-94610-8 (englisch)


* Alfred Gottwaldt, Diana Schulle: ''„Juden ist die Benutzung von Speisewagen untersagt“: Die antijüdische Politik des Reichsverkehrsministeriums zwischen 1933 und 1945; Forschungsgutachten.'' Hentrich & Hentrich, Teetz 2007, ISBN <a href="tel:978-3-938485-64-4" data-parsoid-diff="{"id":"5323","diff":["inserted"]}">978-3-938485-64-4</a>.

* [[Raul Hilberg]]: ''Sonderzüge nach Auschwitz.'' Dumjahn, Mainz 1981, ISBN 3-921426-18-9.

* [[Heiner Lichtenstein]]: ''Mit der Reichsbahn in den Tod: Massentransporte in den Holocaust 1941–1945.'' Bund-Verlag, Köln 1985, ISBN <a href="tel:3-7663-0809-2" data-parsoid-diff="{"id":"5323","diff":["inserted"]}">3-7663-0809-2</a> (teils überholt)

* Albrecht Liess: ''Wege in die Vernichtung: Die Deportation der Juden aus Mainfranken 1941–1943. Begleitband zur Ausstellung des Staatsarchivs Würzburg und des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin.'' Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, München 2003, ISBN 3-921635-77-2 (genaue lokalhistorische Darstellung von drei Deportationen mit Fotos).

* Roland Maier: Die Verfolgung und Deportation der jüdischen Bevölkerung. In: Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier (Hrsg.): Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern. Stuttgart 2013, ISBN 3-89657-138-9, S. 259–304.

* Beate Meyer (Hrsg.): ''Die Verfolgung und Ermordung der Hamburger Juden 1933–1945: Geschichte, Zeugnis, Erinnerung.'' Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg / Landeszentrale für Politische Bildung, Hamburg 2006, ISBN 3-929728-85-0 (Augenzeugenberichte).

* [[Birthe Kundrus]], Beate Meyer (Hrsg.): ''Die Deportation der Juden aus Deutschland: Pläne – Praxis – Reaktionen 1938–1945.'' Wallstein, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-792-6.

* [[Kurt Pätzold]], Erika Schwarz: ''„Auschwitz war für mich nur ein Bahnhof“. Franz Novak – der Transportoffizier Adolf Eichmanns.'' Metropol, Berlin 1994, ISBN 3-926893-22-2 (über [[Franz Novak]]).

* [[Christiaan F. Rüter]]: ''Ost- und westdeutsche Strafverfahren gegen die Verantwortlichen für die Deportation der Juden.'' In: [[Anne Klein]], Jürgen Wilhelm (Hrsg.): ''NS-Unrecht vor Kölner Gerichten nach 1945.'' Greven, Köln 2003, ISBN 3-7743-0338-X, S. 45–56.

* Akim Jah: ''Die Deportation der Juden aus Berlin. Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik und das Sammellager Große Hamburger Straße''. be.bra Verlag, Berlin 2013, ISBN <a href="tel:978-3-95410-015-6">978-3-95410-015-6</a>

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Weblinks Bearbeiten

  • Wikpedia "Vernichtungslager" (hier teilweise auch als Grundlage durch dortigen Autor wiederverwendete Teile, siehe freie Lizenz und AutorInnenverzeichnis) und "de aus De ?"

Einzelbelege, Zitatnachweise Bearbeiten

  1. Eugen Kogon et al. (Hrsg.): Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas: Eine Dokumentation. Frankfurt/M 1983, ISBN 3-10-040402-5, S. 151–163 / Dieter Pohl: Massentötungen durch Giftgas im Rahmen der ‚Aktion Reinhardt‘. In: Günther Morsch, Bertrand Perz: Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Berlin 2011, ISBN 978-3-940938-99-2, S. 185–195 / Dieter Pohl: Massentötungen durch Giftgas im Rahmen der ‚Aktion Reinhardt‘. In: Günther Morsch, Bertrand Perz: Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Berlin 2011, ISBN 978-3-940938-99-2, S. 185–195.
  2. Tomasz Kranz: Das KZ Lublin – zwischen Planung und Realisierung. In: Ulrich Herbert, Karin Orth, Christoph Dieckmann: Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. FiTb, Frankfurt 1998, ISBN 3-596-15516-9, S. 379
  3. Eugen Kogon et al. (Hrsg.): Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas …, S. 110–145

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